Zweiter Jedediah Smith Trail 1824 — 1826

1. Tag: 22. August 2010 München — Pittsburgh

Dieses Jahr war alles noch mehr Chaos als sonst. Durch meinen Unfall fehlt mir so viel Vorbereitungszeit, es war fast unmöglich das alles aufzuholen. Dann noch der Autokauf, die Schreiben mit dem Anwalt und nebenbei noch alles für die Reise auf die Reihe bekommen.

Um halb zwei in der Früh bin ich dann am Sonntag endlich ins Bett gekommen. Der Arsch über mir hat dann wieder von 6—9 Uhr Party gemacht. Aber meine Ohrstöpsel haben mich kurzfristig von dem Problem befreit. Trotzdem habe ich recht schlecht geschlafen, wahrscheinlich wegen dem ganzen Stress. Vielleicht hätte ich doch noch so eine Beruhigungspille nehmen sollen. Aber was soll’s, da muss ich jetzt durch.

Zum Glück geht mein Flieger erst deutlich später, um drei Uhr nachmittags ist erst letzter Check–in. Da reicht es locker, wenn wir bei mir gegen zwölf losfahren. Dieses Mal bleibt sogar Zeit um abzuspülen! Um halb zwölf kommen meine Eltern und wir besprechen alles durch, was eventuell noch wichtig wäre. Vor allem wegen der Geschichte mit dem Anwalt weiß ich nicht, ob da noch Infos benötigt werden. Hoffentlich überweist die Versicherung bald, damit sich meine finanzielle Situation wieder etwas entspannt.

Kurz vor zwölf sind wir abfahrbereit. Gerade wie ich meine deutschen Handys abschalten möchte, kommt noch eine letzte SMS von meinen Tanzfreunden an. Noch einmal gibt es Urlaubsgrüße von allen. Schön, dass man trotz der langen Abwesenheit nicht in Vergessenheit gerät!

Um zwölf fahren wir los. Auf den Straßen ist zwar etwas mehr Verkehr, trotzdem kommen wir super voran. Bereits um dreiviertel eins sind wir am Flughafen. Sogar Parkplätze sind reichlich vorhanden. Die meisten kreisen, um auf einem der kostenlosen Parkplätze zu parken. Da zahlt man lieber die paar Euro fürs Parken.

Jetzt heißt es erstmal wegen Einchecken zu suchen. Dieses Jahr gibt es keine Schalter mehr zum Einchecken. Es ist nur noch der Self–Check–in möglich. Also wende ich mich an eine hilfsbereite Lufthansa–Mitarbeiterin, die beim Einchecken hilft. Hier kann ich für den gesamten Flug einchecken. Aber als Bordkarte bekomme ich nur die vom Transatlantikflug. Sie meint, ich soll dann bei der Gepäckabgabe fragen. Der erzählt mir, dass das noch nie anders war. Als ich ihm erzähle, dass ich zum ersten Mal seit 10 Jahren keine Karte bekomme, meint er nur, das wird er wohl besser wissen — hallo?! Was ist das denn für ein Idiot?

Für das Zweitgepäck darf ich dann nochmal 40€ berappen, klasse. Die Halsabschneiderei beim Fliegen wird auch immer mehr. Aber leider hat man keine andere Wahl. Mit einem Koffer und 23kg kommt man keine 6 Wochen über die Runden.

Jetzt geht es weiter zur Security. Den Vollidioten beim Einchecken verdränge ich mal, sonst rege ich mich über so viel Inkompetenz nur auf. Ich verabschiede mich von meinen Eltern. Bei der Security klappt alles problemlos. Nur den Laptop habe ich vergessen raus zunehmen. Bei der Kamera frage ich noch extra…

Aber was soll’s, kann ja mal passieren. Dann kommt das übliche Prozedere mit Kamera einschalten und durchsehen. Dann ist alles überstanden. Weiter geht es zum Gate H02. Das ist natürlich, wie immer, das hinterletzte Gate. Aber schließlich komme ich bei der Passkontrolle an. Ein Stempel der Security und weiter geht’s zum zweiten Gepäckcheck. Der läuft nochmal deutlich umfangreicher. Aber auch den habe ich recht schnell hinter mir. Die Mitarbeiterin meint, ich habe gerade die Flaute erwischt. Schon gut, wenn man so früh dran ist. Dann läuft alles viel stressfreier. Mir graust’s schon vor dem Chaos in Chicago.

Um viertel nach eins bin ich bereits am Gate. Der Abflug ist erst um 15:40. Jetzt habe ich massig Zeit, um den Laptop vom Netzwerk her endlich umzukonfigurieren. Dann erstelle ich noch schnell die Template Textdateien für mein Tagebuch und tippe den ersten Teil des Tagebuchs. Zum Abschluss stelle ich noch beim WLAN auf USA um. Die haben ja andere Frequenzen und da bin ich schon mal darauf reingefallen!

Kurz vor zwei krame ich dann mein Jedediah Smith Buch heraus und fange zum Lesen an. Mittlerweile habe ich sowieso schon das meiste wieder vergessen von der Tourvorbereitung…

Um 15 Uhr beginnt pünktlich das Boarding. Ich komme ausnahmsweise ziemlich schnell an Bord und kann in Ruhe mein Zeug verstauen. Meine Nachbarin, die kurz darauf ankommt, hat dermaßen Mundgeruch, dass alles zu spät ist. Da verzichte ich freiwillig auf jegliche Unterhaltung…

Gegen 16 Uhr startet der Flieger. Der Flug ist dieses Mal absolut ruhig, so gut wie keine Turbulenzen. Da in dem neuen Airbus sich auch wieder jeder selbst sein eigenes Programm aussuchen kann, sehe ich mir lauter Filme an. Ich fange mit Date Night an, dann Crash Titans (oder so ähnlich), dann Shrek und schließlich noch Email für Dich — der ist zwar schon älter, aber im englischen Original habe ich ihn bisher noch nicht gesehen. Zwischendurch kommt wieder mein Früchteteller.

Auch dieses Mal geht es mir vom Magen her sehr gut. Allerdings habe ich dieses Mal noch etwas Hunger. Aber es geht. Irgendwann friert es mich dermaßen, weil die Klimaanlage auf vollen Touren läuft. Ohne Decke halte ich es nicht aus! Hoffentlich werde ich nicht krank. Das würde mir jetzt gerade noch fehlen…

Gegen 18 Uhr lande ich in Chicago. Dann geht es erstmal zur Immigration. Hier ist eine ewige Schlange. Anscheinend ist gerade vorher noch ein Flieger angekommen. Aber bei den Visitors ist die Schlange deutlich kürzer — allerdings nur im ersten Moment. Die Citizens kommen schneller durch und so stehe ich immer noch. Und wie üblich erwische ich dann wieder den Officer, der am langsamsten arbeitet und die meisten Fragen stellt.

Schließlich ist auch die Hürde geschafft und es geht zum Gepäck. Nach der ewigen Warterei kreist es schon und ich brauche nicht mehr warten. Jetzt muss ich noch schnell durch den Zoll, dann geht es weiter zum Gepäck abgeben. Dort erfahre ich auch, dass ich hier meinen Boarding Pass für den Anschlussflug bekomme — perfekt!

Gegen 19 Uhr geht es zum Zug und zum Terminal 1. Das Anstehen bei der Security läuft jetzt deutlich besser ab. Direkt von der Rolltreppe geht es geradeaus in den Bereich rein — nicht so wie früher, als man ans Ende der Halle rennen musste.

Auch hier zieht es sich ganz schön. Aber dieses Mal vergesse ich nicht, dass ich alles aufs Band lege. Hier darf man auch wieder die Schuhe ausziehen. Dann geht es weiter zum Gate. Das ist dieses Mal gar nicht so weit und ich finde sogar noch einen Platz zum Hinsetzen.

Als erstes prüfe ich, ob mein Handy noch geht. Aber trotz aufladen lassen sie mich nicht mehr ins Netz. Ich bekomme einen Failed auf die SIM–Karte. Langsam bekomme ich echt nen Hals! Aber es hilft nichts. Da muss ich schauen, wie ich das hinbekomme. Aber wahrscheinlich kann ich mir jetzt wieder ein neues Handy kaufen!

Nachdem dieses jetzt wieder gründlich fehlgeschlagen ist, hole ich meinen Laptop heraus und tippe am Tagebuch weiter. Mittlerweile ist es acht und mein Flieger boardet in einer guten Stunde. Die restliche Zeit verbringe ich mit Lesen über meinen Trail.

Pünktlich um zehn nach neun beginnt das Boarden. Der Flieger ist trotz der späten Stunde recht gut ausgebucht. Bei mir sind sogar alle drei Reihen belegt. Der Flug verläuft wieder problemlos und wir landen sogar ein paar Minuten vor der Zeit in Pittsburgh. Aber dafür müssen wir eine ganze Weile warten, bis wir ans Gate rollen dürfen. Schließlich komme ich an und verschwinde als erstes auf einer Toilette. Sonst wird es wohl doch etwas eng mit dem Warten auf Helen und Heimfahren.

Mittlerweile ist es schon nach zwölf. Weiter geht es mit dem Flughafenzug zum Hauptgebäude. Als erstes marschiere ich zum Münzsprecher, nachdem ja mein Handy nicht geht. Einen Dollar brauche ich in Quarters um Helen anzurufen. Dafür dürfte ich auch 4 Minuten reden, obwohl etwa 20 Sekunden gereicht hätten.

Dann marschiere ich zurück zur Gepäckausgabe. Nach einigem Warten kommen endlich die ersten Gepäckstücke vom Chicago Flieger. Doch schon nach kurzer Zeit steht das Band wieder, klasse. Es gibt einen Gepäckstau und das Band wurde gestoppt. Nach endlosem Warten auf die Serviceleute geht es endlich weiter.

Schließlich kommen meine Koffer. Diese grünen Gepäckbänder sind echt gut, die stechen richtig raus! Ich schnappe meine Sachen, dann geht es raus. Heute ist es nicht so schwül warm wie sonst. Es ist richtig angenehm. Nach einer guten viertel Stunde kommt Helen. Ich lade meine Sachen ein, dann geht es los. Ich kann jetzt doch bei ihr übernachten, weil ihr Gast bereits ausgezogen ist. Wir unterhalten uns über die ganzen Probleme mit der Familie und auch über meinen Unfall.

Gegen eins sind wir dann zu Hause. Ich lade meine Sachen aus, dann falle ich hundemüde ins Bett. Obwohl ich eigentlich Hunger und Durst habe, will ich nur noch ins Bett…

  • Besichtigungen
  • Allgemein
  • Frühstück: Zu Hause
  • Abendessen: Flieger
  • Motel: Zu Hause
  • Tagesetappe: —