Erster Jedediah Smith Trail 1822 — 1824
36. Tag: 20. September 2009 Rapid City — Mitchell

Karte Rapid City nach Mitchell
Dank meiner Stöpsel habe ich ganz gut bis sieben Uhr geschlafen. Da ich ja heute eine Stunde verliere, möchte ich nicht zu spät losfahren. Ich prüfe noch schnell mein Öl, aber wegen der Unmenge an Wespen hier fülle ich noch nicht nach. Schließlich bin ich immer noch ein viertel über Minimum.
Ich checke aus und frage wegen dem Morningside Cafe. Aber die Empfangsdame meint, sie nimmt nur Fast Food wenn sie von einem Job zum Zweitjob fährt. Also fahre ich auf gut Glück dort hin. Wie ich dort ankomme erinnere ich mich wieder an das Lokal. Nur leider ist es sonntags geschlossen! Also muss ich doch zum Perkins oder Denny’s fahren.
Ich fahre in Letzteres. Das Frühstück ist ganz okay, der Bacon ist halt recht dünn. Ich bezahle und fahre zum Tanken.

Interstate 90, South Dakota
Gegen viertel nach zehn geht es los. Es wärmt ziemlich schnell auf und ich habe wieder über 30°C.

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, Cheyenne River, South Dakota

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, Central Time Zone, South Dakota

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, South Dakota

Interstate 90, South Dakota
Heute gibt es extremen Seiten– und Gegenwind, so dass es mich fast von der Interstate bläst. Irgendwie ist die Kiste extrem empfindlich auf Seitenwind. Und wegen dem Gegenwind muss ich dauernd im dritten Gang fahren. Im Overdrive muss ich mehr Gas geben als im dritten Gang und die Drehzahl ist auch kaum geringer. Aber der Motor darf ja bis 4500 drehen. Also sollte das kein Problem sein.

Interstate 90, Missouri River/Lake Francis Case, South Dakota
In Chamberlain mache ich einen Tankstopp und kurze Mittagspause, dann geht es weiter. Ich passiere Mitchell und Alexandria, da riecht es irgendwie verbrannt. Doch es hört bald wieder auf. Wahrscheinlich wieder irgend ein Auto vor mir. Dann plötzlich wird die Lenkung streng, das Batteriesymbol geht an und die Temperatur springt förmlich auf Anschlag: Jetzt dämmert’s mir, der Keilriemen ist durch!
Sofort fahre ich rechts ran und schalte den Motor aus. Hoffentlich hat’s die Kopfdichtung überlebt. Ich öffne die Motorhaube und sehe, dass sich der Keilriemen völlig aufgelöst hat! Die einzelnen Streifen haben sich heftigst um den Ventilator gewickelt. Ich brauche eine ganze Zeit, bis ich das wieder abgewickelt habe. Dann krame ich meinen Ersatzkeilriemen heraus. Gut dass ich da immer einen dabei habe!
Doch wie ich den drauf fädele sehe ich, dass das Lager der Umlenkrolle, die den Druck auf den Keilriemen gibt, irgendwie gefressen ist. Die Rolle selbst ist herunter geflogen. Und das innere Teil lässt sich kaum drehen. Ich versuche mit Spray etwas zu retten. Aber das sieht nicht gut aus. Auch finde ich nichts, mit dem ich den Hebel der Umlenkrolle wieder nach oben bringe. Da muss ich mir noch ein anderes Werkzeug suchen. Da werde ich mal David fragen, wie ich das hinbekomme, wenn ich zurück bin.
Aber jetzt bin ich erstmal verloren. Hier komme ich mit meinen Mitteln nicht weiter. Ohne Wasserpumpe brauche ich nicht zu fahren. Ich schaue erstmal, wo ich denn eigentlich bin. Mein Laptop zeigt östlich von Alexandria. Leider finde ich keine Nummer vom AAA. Also versuche ich als erstes, Helen zu erreichen und gleich auf dem Handy. Aber zuerst geht gar nichts, dann nur die Mailbox.
Ich suche durch mein Telefonbuch und als nächster fällt mir Matt ein. Wenn, dann hat er das im Kreuz! Also rufe ich ihn an und zuerst habe ich Jean dran. Ich erzähle ihr kurz mein Problem, aber sie gibt mich gleich an Matt weiter. Der startet gleich die Rettungsaktion, sucht zuerst im Internet nach der Nummer und nachdem die nicht so schnell auffindbar ist, ruft er kurzerhand beim AAA Michigan an und nimmt mich in eine Dreierkonferenz. Er schildert der Dame mein Problem, was mir einiges an Ärger abnimmt. Denn hier an der Interstate mit den ganzen Trucks und Autos versteht man kaum etwas und das blöde Handy ist so dermaßen leise. Aber gemeinsam können wir ihr das Problem schildern und sie gibt uns weiter an AAA South Dakota.
Der erklären wir auch nochmal mein Problem und sie fragt nach meiner Mitgliedsnummer. Ich erkläre ihr das mit dem ADAC und meiner Nummer. Sie fragt dann wegen der Entfernung, die in meiner Mitgliedschaft abgedeckt ist. Aber das weiß ich nicht. Sie ist aber so nett, und will beim deutschen ADAC das nachprüfen. Das ist wirklich ein toller Service!
Sie gibt das Notfallticket gleich weiter, aber es kann zwischen 45 und 60 Minuten dauern, bis der Abschlepper kommt. Wir bedanken uns, dann heißt es erstmal warten. Ich räume inzwischen meine Sachen etwas zusammen, dann läutet mein Handy. Irgendwie hatte ich kurzzeitig keinen Empfang, aber die Dame vom AAA (ich glaube der Name war Jeannette) hat sich gemeldet und mir eine Nachricht hinterlassen. Sie konnte zwar niemand beim ADAC erreichen — oder besser gesagt es war alles in Deutsch, da kam sie nicht weiter. Aber sie hat jetzt mal 100 Meilen eingetragen, das reicht auf jeden Fall bis Mitchell. Das ist wirklich nett!
Ich wünschte, ich könnte mich da noch persönlich bedanken. Aber das wird schwierig. Jetzt heißt es wieder warten. Dann kommt der Anruf vom Abschlepper. Aber durch den Lärm verstehe ich nichts. Ich gehe ins Auto, mache die Türe zu und da ist der Empfang komplett weg. Ich gehe raus und versuche zurückzurufen. Das klappt und nach mehreren Anläufen habe ich nochmals meine Position durchgegeben. Ich frage mich, wie oft man das machen muss…
Bald darauf kommt auch schon der Abschlepper. Der Typ ist vogelwild und ziemlich dreckig. Zuerst sieht er sich das Problem an. Dann sieht er auch, dass man da nicht weiter kommt. Nur das Abschleppen wird schwierig, weil er mein Auto hinten anheben müsste. Er schlägt vor, nur den Keilriemen heraus zu nehmen und das kurze Stück ohne Kühlung zu fahren. Der Motor ist ja mittlerweile wieder kalt. Also machen wir es so.
Nur ohne Servo umdrehen ist ganz schön hart. Und dann bleibe ich noch im Hang hängen. Also lege ich den 4WD ein und fahre wieder heraus. Dann nochmal zurück und er kann das Auto anschließen. Den Rest macht er dann selbst. Das Auto wird aufgebockt und los geht’s.
Unterwegs erzählt er mir, dass er gerade von einem Rennen zurück ist, Mud Drag Racing oder so ähnlich. Er hat am Wochenende alle Preise eingesammelt, was aber nicht viel war. Das Rennen wurde abgebrochen wegen zu viel Wasser. Da sind gerade seine Unkosten hereingekommen. Letzte Nacht hat er gerade zwei Stunden geschlafen und ist hundemüde.
Als Hotel schlägt er mir das Corn Palace Motel vor. Das ist in Gehweite von der Werkstatt und da haben sie spezielle Konditionen. Eigentlich wollte ich ja ins Super 8. Aber ich willige trotzdem ein. Ich will ihm auch nicht zu viel Fahrerei aufbürden.
Dort angekommen erkundigt er sich nach einem Zimmer. Sie habe eines für mich frei. Dann bitte ich ihn noch, weil ich recht viel Gepäck habe, ob wir noch zu meinem Zimmer fahren könnten. Auch das macht er noch! Ich bin ich echt froh, dass er so geduldig ist.
Ich checke ein, dann räume ich meine Sachen schnellstens aus dem Auto — dabei vergesse ich sowohl Handy als auch Wasser. Aber das hilft jetzt nicht mehr. Gleich nebenan ist das Chef Louie’s. Irgendwie denke ich, dass ich hier schon einmal war. Aber ich finde auf die Schnelle nichts auf dem Laptop. Und die blöde Windowssuche ist ja auch keine Hilfe. Unter Unix bräuchte ich nicht mal eine Sekunde das zu finden, aber so…
Also gehe ich einfach so ins Lokal und da erinnere ich mich wieder. Hier war ich definitiv schon einmal. Das Lokal ist sehr gehobener Stil, aber der Preis dafür ganz okay, auch nicht teurer als im Outback. Gegen neun bezahle ich und marschiere zurück. Ich frage noch schnell im Office wegen auschecken morgen nach. Ich weiß ja nicht, wann die in der Werkstatt fertig sind. Ich kann meine Sachen ruhig hier im Office deponieren, das ist kein Problem.
Ich komme noch mit der Besitzerin ins Gespräch und erfahre, dass sie letztes Jahr das Lokal an ihren Sohn verkauft hat. Ich erzähle ihr, dass ich vor ein paar Jahren schon einmal hier war. Aber da war ich im Super 8. Sie dürfte damals im Restaurant gewesen sein. Wir unterhalten uns noch über alles Mögliche, bis ich mich dann endlich verabschiede, um mein Tagebuch zu schreiben — und Matt und meinen Eltern eine kurze Email.
Im Zimmer bekomme ich kein WiFi. Also muss ich zum Office zurück. Dort ist jedoch schon alles dunkel. Aber draußen ist eine Bank. Also tippe ich da schnell meine Email. Dann gehe ich wieder zurück ins Zimmer und mache die Buchführung und schreibe mein Tagebuch. Dann geht es ab ins Bett. Es ist sowieso schon wieder halb zwölf — und bis ich im Bett bin, wird’s bestimmt zwölf…
Der nächste Tag ist in Vorbereitung…
- Besichtigungen
- —
- Allgemein
- Frühstück: Denny’s, Rapid City
- Abendessen: Chef Louie’s, Mitchell
- Motel: Corn Palace Motel, Mitchell
- Tagesetappe: 291 Meilen